Gesundheitsförderung in der LTC


Gesundheitsförderung in der LTC in Österreich und Deutschland: Analysen zu Entwicklungsstand und Bedarf

Background


Die Literaturanalyse machte deutlich, dass Gesundheitsförderung ein in der Altenbetreuung kaum beforschtes Konzept ist. Diese Analyse konnte aber nicht klären, ob Gesundheitsförderung an Perspektiven von unterschiedlichen Rollenträgern in der LTC anschlussfähig ist und was das Vorverständnis bzw. die Erwartungen sind. Von Interesse sind dabei im Rahmen dieses Projekts (kurz auch Status Quo Analyse genannt) Perspektiven der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, in Trägerorganisationen und auf Einrichtungsebene bzw. im Bereich der wissenschaftlichen ExpertInnen im multidisziplinären Feld der Gerontologie.

Theoretical Approach


Die empirische Untersuchung (Expertenbefragung) baut auf multidisziplinären Konzepten der Versorgungs- bzw. Gesundheitssystemforschung auf.

Objectives


In Bezug auf den nationalen Kontext wurden folgende Forschungsfragen analysiert:

  • Wie wird der Bedarf nach Gesundheitsförderung in der Altenbetreuung eingeschätzt? Für welche Zielgruppen bzw. in Bezug auf welche Themen wird besonderer Bedarf gesehen?
  • Wie wird die Realisierbarkeit von Gesundheitsförderung in der Altenbetreuung und –pflege prinzipiell eingeschätzt – als Einzelinterventionen bzw. als Entwicklung zu einer gesundheitsförderlichen Lebens- und Arbeitswelt im umfassenden Sinn?
  • Welche Rahmenbedingungen erschweren bzw. erleichtern Gesundheitsförderung in der Altenbetreuung?
  • Welche Beispiele für Interventionen zur Bewegungsförderung im Alter gibt es, die für die stationäre Langzeitversorgung konzipiert, erprobt und evaluiert wurden?

Methodologies


Leitfadengestützte Experteninterviews mit LTC-Experten (Österreich n=23; Deutschland stationärer Bereich n= 14; ambulanter Bereich n= 8 Interviews + 33 Selbstausfüller-Fragebögen)

Ethical Issues


Die Teilnahme an den Experteninterviews erfolgte auf freiwilliger Basis. Individuelle Aussagen wurden vertraulich behandelt.

Status / Timeline


Abgeschlossen.

Results


Die bisherigen Gesundheitsförderungsmaßnahmen beziehen sich nach Einschätzung der ExpertInnen vor allem auf die Mitarbeiterinnen. Laut (deutscher) Expertenansicht stehen die durch den demographischen Wandel bedingten strukturellen, konzeptionellen und personellen Herausforderungen im Vordergrund. Gesundheitsförderung und Prävention wird bisher nicht als mögliche Antwort auf diese Herausforderung, sondern als neue, zusätzliche Aufgabe verstanden, der zwar prinzipiell Relevanz beigemessen wird, jedoch mit niedriger Priorität. In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei sich durch einen gegenüber Deutschland stärkeren Fokus auf die Verwaltungsebene die Heterogenität zwischen den Bundesländern deutlicher darstellt. Als Problembereiche wurden – wie für Qualitätsentwicklung insgesamt - die Bereiche fragmentierte politische Verantwortung (Trennung Gesundheit/ Soziales; subsidiäre Positionierung des Staates im Pflegebereich; Intransparenz der Situation durch lokale/ regionale Verankerung und geringe zentrale Verantwortlichkeiten bzw. Ressourcen), generell knappe Finanzierung des Pflegebereichs und mangelnde Professionalisierung (Altenbetreuungsspezialisten auf relativ niedrigem Ausbildungsniveau, keine spezifische Aus- bzw. Weiterbildung für die Diplomkrankenpflege), sowie erschwerte Rahmenbedingungen für die Implementierung von Gesundheitsförderung in der LTC genannt.

Insgesamt weist aus Expertensicht der Long-Term-Care-Sektor im Vergleich zur akuten Krankenbehandlung ein sehr viel geringeres Ausmaß an staatlicher Intervention auf. Für nutzerorientierte Gesundheitsförderung besteht in Deutschland und Österreich noch kein ausreichendes Problembewusstsein, Maßnahmen dazu sind wissenschaftlich und praktisch kaum entwickelt und erprobt. In beiden Ländern existiert diesbezüglich großer Handlungs- und Forschungsbedarf.

Produkte / Publikationen


Horn, A., Brause, M., Schaeffer, D. (2011):

Gesundheitsförderung in der stationären Langzeitversorgung. Ergebnisse einer Expertenbefragung. Prävention und Gesundheitsförderung, 6 (4), 262-269.

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Horn, A., Schaeffer, D. (2011):

Nutzerorientierte Gesundheitsförderung in der stationären Langzeitversorgung. Ergebnisse einer Expertenbefragung. Veröffentlichungsreihe des Instituts für Pflegewissenschaft. Bielefeld: IPW


Büscher, A., Horn, A. (2010):

Bestandsaufnahme zur Situation in der ambulanten Pflege. Ergebnisse einer Expertenbefragung. Veröffentlichungsreihe des Instituts für Pflegewissenschaft. Bielefeld: IPW


Krajic, K., Schmidt, C. (2010):

Gesundheitsförderung als Beitrag zu Entwicklung der österreichischen Long Term Care? Konzeptuelle Überlegungen und ExpertInneneinschätzungen. Linz: Universität Linz. (Reihe Gesundheitswissenschaften) (auch erhältlich als LBIHPR Working Paper)


Krajic, K., Schmidt, C., Christ, R. (2010):

Gesundheitsförderung in der Long Term Care in Österreich: eine Status quo Analyse. Soziale Sicherheit (März 2010), S. 142-148

Abstract | Full Text

Projektteam


Leitung: PD Dr. Karl Krajic, Prof. Dr. Doris Schaeffer

Wissenschaftliche Mitarbeit: Mag. Carolin Schmidt, Mag. Roswitha Müller, Mag. Dr. Rainer Christ; Dr. Annett Horn, Dr. Andreas Büscher, Dr. Michaela Brause MPH