Integration der Konzepte “Health Literacy” und “Health Promoting Hospitals” (HP-HLO)


Background


Gesundheitskompetenz (“Health Literacy”) wird zunehmend als relevante und beeinflussbare Gesundheitsdeterminante konzeptualisiert, gemessen und als Grundlage für gesundheitsförderliche Interventionen verwendet („Health Literacy – The solid facts“ (Kickbusch et al. 2013)). Gerade auch im Bereich der Krankenversorgung gibt es eine lange Tradition, persönliche Gesundheitskompetenz zu messen, zu berücksichtigen und über Interventionen der Patienteninformation und -schulung zu verbessern. Dies greift jedoch zu kurz: Gesundheitskompetenz wird mittlerweile als relationales Konzept verstanden, in dem situative Anforderungen der Krankenbehandlungsorganisationen und-systeme mit den persönlichen Fähigkeiten der KlientInnen zusammenwirken (Parker 2009). Vor diesem Hintergrund wurde in den USA das Konzept der „Health Literate Healthcare Organization“ (HLO) (Brach et al. 2012) entwickelt, dessen Anwendung auch von der WHO empfohlen wird.

Aus Perspektive des Gesundheitsfördernden Krankenhauses (HPH) kann das Konzept der HLO, das Kommunikation und Informationsmanagement fokussiert, als ein wesentlicher Teilaspekt einer umfassend gesundheitsförderlichen Krankenbehandlungsorganisation verstanden werden. Beide Ansätze wurden aber in Theorie und Praxis bislang ohne Bezug aufeinander entwickelt und umgesetzt. Das Projekt bearbeitet daher sowohl die Integration von Grundsätzen, Konzepten, Messungen und Interventionen von HLO in den weiteren Rahmen des Gesundheitsfördernden Krankenhauses wie auch die Weiterentwicklung des Konzepts der HLO. Zentrale Fragestellungen sind:

  • Worin bestehen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Konzepte?
  • Was können die beiden Ansätze voneinander lernen?
  • Welche Weiterentwicklung von HLO ist möglich und angebracht?
  • Welche Möglichkeiten der Integration von HLO in HPH ergeben sich?
  • Welche Messinstrumente für Assessments und Empfehlungen für die Implementierung von Gesundheitskompetenz-förderlichen Maßnahmen in Krankenversorgungsorganisationen gibt es bereits bzw. müssen entwickelt werden?

Theoretical Approach


Das Projekt orientiert sich an einem systemtheoretischen Verständnis des Setting-Ansatzes der Gesundheitsförderung, insbesondere seiner Ausarbeitung für das Setting Gesundheitsförderndes Krankenhaus (vgl. Pelikan et al. 2011: Hospitals as organizational settings for health and health promotion. LBIHPR working paper 5; Pelikan et al. 2011: A model and selected results from an evaluation study on the International HPH Network (PRICES-HPH); in: Clinical Health Promotion 1 (1) 9-15; Pelikan et al. 2014: Improving Organizational Health: The Case of Health Promoting Hospitals. In: G. Bauer, O. Hämmig (Eds.): Bridging Occupational, Organizational and Public Health Springer, in print). Dieser Ansatz integriert Prinzipien und Konzepte der Gesundheitsförderung, der Qualitätsentwicklung und der Organisationsentwicklung. Besonderer Wert wird auf Investitionen in die Kapazitätsentwicklung von Infrastrukturen und Ressourcen zur systematischen und nachhaltigen Implementierung von innovativen und Re-Orientierenden Gesundheitsförderungsmaßnahmen gelegt. Das Konzept der HLO wird im Sinne dieses theoretischen Frameworks weiterentwickelt bzw. zur Spezifizierung der Kommunikationsaspekte im HPH-Ansatz genutzt werden.

Objectives


Die Ziele des Projektes umfassen:

  • die Rekonstruktion und Weiterentwicklung des Konzeptes der HLO unter Berücksichtigung von Prinzipien, Konzepten und Kriterien aus HPH und anderen mit HPH kooperierenden Reformkonzepten (wie Baby-friendly Hospitals, Tobacco-Free Hospitals, Self-help friendly Hospitals)
  • die Entwicklung eines umfassenden Self-Assessment-Tools für organisationale Gesundheitskompetenz für HPH (und Spezifikationen für die anderen erwähnten Reformkonzepte)auf Basis der vorliegenden Literatur
  • die Testung der Tauglichkeit dieser Instrumente für österreichische Krankenhäuser
  • die Erhebung der organisationalen Gesundheitskompetenz in den an der Pilotierung teilnehmenden Krankenhäusern
  • die Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs von bewährten Interventionen zur Verbesserung von Defiziten der organisationalen Gesundheitskompetenz

Methodologies


  • Literatur Review
  • Experten-Delphi zu Messinstrumenten der organisationalen Gesundheitskompetenz
  • Konzeptweiterentwicklung unter Berücksichtigung von Prinzipien und Kriterien aus anderen Ansätzen
  • Self Assessment-Tool-Entwicklung auf Basis bestehender Instrumente und Konzepte
  • Zusammenstellung eines Maßnahmenkatalogs von Interventionen zur Implementierung einer HLO auf Basis bestehender, bewährter, einschlägiger Interventionen
  • Pilotierung des Tools im Rahmen einer Erhebung in österreichischen Krankenhäusern
  • Ethical Issues


    Im Rahmen des Projektes werden keine Personendaten erhoben. Organisationsdaten werden anonymisiert behandelt.

    Status / Timeline


    Laufendes Projekt (August 2013-März 2015)

    Results


    Erste Ergebnisse werden für März 2014 erwartet.

    Geplante Produkte / Publikationen


    • Background Paper auf Basis der Literaturarbeit
    • Journal-Artikel zum erweiterten HLO-Konzept (englischsprachig)
    • Self Assessment Tool für organisationale Gesundheitskompetenz mit Anleitung zur Durchführung
    • Strukturierter Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der organisationale Gesundheitskompetenz (auf Basis des Literatur-Review)
    • Journal-Artikel zur empirischen Erprobung des Self Assessment Tools in österreichischen Krankenhäusern

    Projektteam


    Jürgen Pelikan, Christina Dietscher, Jakob Lorenc