Kollektive Partizipation von...


...Selbsthilfegruppen/Patientenorganisationen in der Gesundheitsförderung, -versorgung und -politik in Österreich

Background


Die Zahl und Bedeutung von selbst-organisierten Gruppen, die sich in Belangen ihrer Gesundheit und Krankheitsbewältigung unterstützen, beraten und auch gemeinsam nach außen ihre Interessen vertreten, ist stark gewachsen. Über Ziele, Aktivitäten, Ressourcen, Vernetzung und Wirkung solcher Gruppen und Organisationen gab es In Österreich bisher nur sehr eingeschränkte wissenschaftliche Evidenz.

Theoretical Approach


Für die unterschiedlichen Fragestellungen wurde auf verschiedene, im Forschungsfeld gängige Theorien zurückgegriffen (soziale Bewegungen, Zivilgesellschaft, kollektives Handeln u.a.).

Objectives


Subprojekt 1: Umfassende Bestandsaufnahme über Ziele, Aktivitäten, Ressourcen, Umweltbeziehungen und selbst eingeschätzte Wirkung von Patienten- und Angehörigengruppen und -organisationen (PAO) in Österreich.

Subprojekt 2: Vertiefende Analyse zur Frage, in welcher Weise und Intensität PAO Beziehungen zu Professionellen und professionellen Organisationen unterhalten sowie zur Frage, ob, wie und mit welchen Ergebnissen sie ihre Interessen in politische Prozesse einbringen können.

Subprojekt 3: Untersuchung des Stellenwerts und der Rolle, die Patientengruppen und -organisationen innerhalb der Health Promoting Hospitals einnehmen.

Methodologies


SP1: Literaturanalysen und umfassende Fragebogenuntersuchung, ergänzt durch Fokusgruppen und Interviews mit relevanten Stakeholdern im Umfeld

SP2: Literaturanalysen und Sekundäranalysen

SP3: Dokumentenanalysen, Sekundäranalysen PRICES-Daten, online-Befragung von Netzwerkkoordinatoren

Kooperationspartner

SP1: in Kooperation mit dem Institut für Soziologie der Universität Wien. SP3: in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung (ÖGTPGF)

Ethical Issues


Freiwilligkeit und Anonymität wurden gesichert.

Status / Timeline


SP1: 1.8.2007 – 30.9.2009; SP2: 1.10.2009 – 28.2.2011; SP3: 1.10.2011 – 30.9.2012

Results


SP1: Aufgezeigt wurde eine große Heterogenität von Organisationsformen und Ressourcen. Gemeinsam ist den meisten PAO die zentrale Rolle von Erfahrungsaustausch und wechselseitiger Unterstützung, das Vertrauen auf die eigenen Ressourcen bei gleichzeitig erlebtem Ressourcenmangel, sowie enge Beziehungen zu gleichartigen Gruppen, Organisationen und Dachverbänden sowie zu Ärzten und Organisationen der Gesundheitsversorgung.

SP2: Viele Patientenorganisationen streben eine Beteiligung an politischen Prozessen an, den meisten aber fehlt es an der dafür notwendige Organisations- und Konfliktfähigkeit. Enge Beziehungen zu Professionellen und Organisationen des Gesundheitssystems dienen unter anderem dazu, diese Schwächen durch Allianzbildung zu kompensieren. Sie sind aber auch mit einer tendenziellen Abwertung des Erfahrungswissens als Ressource der Gruppen verbunden.

SP3: In den Strategiepapieren und im wissenschaftlichen Diskurs innerhalb der HPH ist der Stellenwert von PAO marginal, in der Alltagspraxis scheint die Kooperation teilweise gut entwickelt zu sein. Vorgeschlagen wird eine umfassende, stufenweise Kooperationsstrategie.

Produkte / Publikationen


Forster,R., Rojatz,D., Schmied,H., Pelikan,J.M. (2013):

Selbsthilfegruppen und Gesundheitsförderung im Krankenhaus - eine entwicklungsfähige Allianz für Gesundheit. Prävention und Gesundheitsförderung, 8 (1), 9-14.

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Forster,R., Braunegger-Kallinger,G., Krajic,K. (2011):

Austrian Health Consumer Groups - Voices Gaining Strength? In: Löfgren,H., De Leeuw,E., Leahy,M. (Eds.), Democratizing Health: Consumer Groups in the Policy Process (pp.143-160). Cheltenham, UK, Northampton, MA, USA: Edward Elgar Publishing.


Forster,R., Braunegger-Kallinger,G., Krajic,K. (2011):

Selbsthilfeorganisationen als „Stimme der Patienten/innen" in Österreich: Herausforderungen und Erfahrungen von Interessenvertretung und Beteiligung. In: Meggeneder,O. (Ed.), Selbsthilfe im Wandel der Zeit. Neue Herausforderungen für die Selbsthilfe im Gesundheitswesen (pp.9-40). Frankfurt am Main: Mabuse Verlag.


Forster,R., Nowak,P. (2011):

Zur Rolle von Patientengruppen und -organisationen in einem „lernenden Gesundheitssystem". Schlussfolgerungen aus einer österreichischen Studie. In: Krajic,K. (Ed.), Lernen für Gesundheit. Tagungsband der 13. wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health 16. und 17. September 2010 Linz: Verlag der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse.


Braunegger-Kallinger,G., Forster,R., Nowak,P. (2010):

Selbsthilfe in Österreich - Ergebnisse einer umfassenden empirischen Studie zur Situation der Selbsthilfe in Österreich. In: DAG SHG (Ed.), Selbsthilfegruppenjahrbuch 2010 (pp.176-188). Gießen: Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.


Forster,R., Braunegger-Kallinger,G., Nowak,P., Österreicher,S. (2009):

Funktionen gesundheitsbezogener Selbstorganisation - eine Analyse am Beispiel einer österreichischen Untersuchung. SWS-Rundschau, 49 (4), 468-490.

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Forster,R., Nowak,P., Braunegger-Kallinger,G., Österreicher,S., Krajic,K. (2009):

Patienten- und Angehörigenorganisationen bzw.- gruppen in Österreich: Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus einem bundesweiten Forschungsprojekt. Soziale Sicherheit, 2009 (Dezember 2009), 614-629.

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Baggott,R., Forster,R. (2008):

Health consumer and patients' organizations in Europe: towards a comparative framework. Health Expectations, 11 (1), 85-94.

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Projektteam


Leitung: Rudolf Forster

Wissenschaftliche Mitarbeit: SP1: Peter Nowak, Karl Krajic, Gudrun Braunegger-Kallinger (Univ. Wien), Sonja Österreicher (Univ. Wien); SP2: Peter Nowak, Karl Krajic, Gudrun Braunegger-Kallinger(Univ. Wien); SP3: Daniela Rojatz (ÖGTPGF), Hermann Schmied, Jürgen M. Pelikan

Projektassistenz: Astrid Barcza (Univ. Wien, SP1)