Aktuelle Grösse: 100%

Die österreichische HBSC –Studie 2010


Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Gesundheitsdeterminanten bei Schüler/innen

Background


Die HBSC-Studie (Health-Behaviour in School-aged Children; www.hbsc.org) ist eine der größten Kinder- und Jugendgesundheitsstudien, in der die selbstberichtete Gesundheit sowie das Gesundheitsverhalten von Schüler/inne/n im Alter von 11, 13 und 15 Jahren (und seit 2010 in Österreich auch der 17-Jährigen) systematisch erhoben sowie die möglichen Determinanten der Gesundheit in der persönlichen und schulischen sozialen Umwelt der Kinder und Jugendlichen analysiert werden. Die Studie wird von einem eigenverantwortlichen Netzwerk von Forschergruppen aus 43 Ländern (Stand: 2010) und in enger Kooperation mit der WHO durchgeführt. Sie wird in Österreich seit 1986 alle vier Jahre durchgeführt, was die Analyse von Trends ermöglicht.

Theoretical Approach


HBSC ist eine multidisziplinäre, multi-center Querschnitt-Studie mit einem breiten theoretischen Rahmen, der dem „policy rainbow“ der Gesundheitsförderung von Dahlgren & Whitehead (1991) entspricht und in den einzelnen thematischen Bereichen genügend Raum für spezifische Theorieansätze bietet.

Objectives


Monitoring der Gesundheit, des Wohlbefindens, des Gesundheitsverhaltens und des sozialen Kontextes der Gesundheit von Schüler/inne/n; Analyse der Verteilung und Entstehungsbedingungen von Gesundheit in der Population der Kinder und Jugendlichen; Unterstützung der Entwicklung von Maßnahmen und Policies zur Verbesserung der Lebenssituation und der Gesundheit dieser Population.

Methodologies


Survey mittels Selbstausfüller-Fragebogen, der im Schulkontext erhoben wird; n= ca. 5.000; erhoben werden subjektiver Gesundheitszustand, Lebenszufriedenheit, Beschwerdelast, Verletzungen, Körperwahrnehmung, Zahngesundheit, Bewegung, Ernährung, Gewalt, Suchtmittelkonsum und Variablen zu Familie, Schule und Peerkontakten.

Kooperationspartner


Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger, University of St. Andrews (UK).

Ethical Issues


Im Einklang mit dem Österr. Datenschutzgesetz; der Fragebogen wird von einer Expertenkommission nach ethischen Gesichtspunkten begutachtet; die Eltern der teilnehmenden Schüler/innen werden über die Studie informiert und müssen mit der Teilnahme ihres Kindes einverstanden sein.

Status / Timeline


Die nächste HBSC-Erhebung findet Anfang 2014 statt.

Results


Gesundheitszustand (Erhebung 2010)

  • Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der österr. Schülerinnen und Schüler liegt bei 7,53 auf einer Skala von 0 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch).
  • Die durchschnittliche Beschwerdelast liegt bei 34,25 auf einer Skala von 0 (sehr niedrig) bis 100 (sehr hoch).
  • Die häufigsten Beschwerden, unter denen die Schülerinnen und Schüler mehrmals pro Woche leiden, sind: Einschlafstörungen (17,2%), Kopfschmerzen (14,4%) und Gereiztheit bzw. schlechte Laune (14,2%).
  • Mädchen schätzen ihren Gesundheitszustand, ihre Lebenszufriedenheit und ihre Beschwerdelast prinzipiell schlechter ein als Burschen.
  • Ältere Schülerinnen und Schüler geben ebenfalls einen schlechteren Gesundheitszustand, eine niedrigere Lebenszufriedenheit und eine höhere Beschwerdelast an als jüngere.
  • Bei 16,8% der Befragten war von einer Ärztin oder einem Arzt eine lang andauernde Erkrankung oder Behinderung diagnostiziert worden.
  • Nur 48,6% der Kinder und Jugendlichen geben an über „ungefähr das richtige Gewicht“ zu verfügen; rund 37% fühlen sich zu dick.

Gesundheits- und Risikoverhalten (Erhebung 2010)

  • Nur ein Fünftel (20,4%) hält sich an die Bewegungsempfehlungen von täglicher körperlicher Aktivität im Ausmaß von mindestens 60 Minuten.
  • Umgekehrt werden durchschnittlich fünf Stunden an Schultagen und sieben Stunden an schulfreien Tagen mit sitzendem Freizeitverhalten, also z.B. mit Fernsehen oder am Computer verbracht.
  • 57,6% der Schülerinnen und Schüler essen weder Obst noch Gemüse täglich.
  • Umgekehrt konsumieren rund 39% der Mädchen und Burschen täglich entweder Süßigkeiten oder süße Limonaden oder beides.
  • 25,4% der Befragten, bezogen auf alle untersuchten Altersstufen, geben an zu rauchen. Ein Drittel (32,6%) der 17-Jährigen rauchen täglich.
  • 25,1% der Schülerinnen und Schüler, bezogen auf alle untersuchten Altersstufen, trinken mindestens einmal in der Woche Alkohol, bei den 17-Jährigen sind es 60,4%.
  • Ein Fünftel (19,6%) der 15- und 17-Jährigen hat bereits zumindest einmal Cannabis konsumiert.
  • 34,9% der Kinder und Jugendlichen waren in den letzten 12 Monaten vor der Befragung zumindest einmal an einer Rauferei beteiligt.
  • 42,3% beteiligten sich in den letzten paar Monaten am Schikanieren bzw. Bullying von Mitschülerinnen und Mitschülern. 38,3% berichten, Opfer von Bullying-Attacken gewesen zu sein.
  • Über die Hälfte (52,7%) der Mädchen und Burschen hatten im letzten Monat vor der Befragung Medikamente zu sich genommen, am häufigsten gegen Kopfschmerzen.

Trends (Erhebung 2010)

  • Die Lebenszufriedenheit ist seit 2002 unabhängig von Alter und Geschlecht leicht gesunken.
  • Die Beschwerdelast ist seit 1994 kontinuierlich gesunken, zwischen den beiden letzten Erhebungen 2006 und 2010 allerdings wieder leicht gestiegen. Diese Entwicklung ist unabhängig von Alter und Geschlecht.
  • Seit 2002 nimmt der Anteil an Übergewichtigen und Adipösen bei den Burschen laut Selbstbericht kontinuierlich leicht zu. Bei Mädchen zeigt sich zwischen den Erhebungen 2006 und 2010 erstmals ein Anstieg.
  • Während sich das Bewegungsverhalten der Mädchen seit 2002 kaum verändert hat, zeigt sich bei den Burschen eine leichte Zunahme an körperlicher Aktivität zwischen 2006 und 2010.
  • Der Konsum von Süßigkeiten und süßen Limonaden ist seit 2002 kontinuierlich gestiegen. Dieser Anstieg zeigt sich vor allem bei Mädchen, die 2010 erstmals knapp häufiger als Burschen angeben, täglich Süßigkeiten und Limonaden zu konsumieren.
  • Der Anteil der männlichen Raucher nimmt seit 1994 kontinuierlich ab. Bei den Mädchen ist dieser Anteil zwischen 1994 und 1998 stark gestiegen. Seither sinkt er auch bei Mädchen.
  • Eine Abnahme des Anteils jener Schülerinnen und Schüler, die wöchentlich Alkohol konsumieren, konnte bei den Burschen mehr oder weniger kontinuierlich seit 1994 festgestellt werden. Bei Mädchen nahm dieser Anteil bis 2002 zu und sinkt seither.

Produkte / Publikationen 2011 - 2013


Elgar, F. J., de Clercq, B., Schnohr, C. W., Bird, P.; Pickett, K. E.; Torsheim, T.; Hofmann, F.; Currie, C. (2013):

Absolute and relative family affluence and psychosomatic symptoms in adolescents. Social Science & Medicine 91: 25–31.

Abstract | Full Text


Ramelow, D., Felder-Puig, R. (2013):

Die psychische Gesundheit von österreichischen Schülerinnen und Schülern: Ergebnisse 2010 und Trends. HBSC Factsheet. Wien: BMG.


Ramelow, D., Unterweger, K., Felder-Puig, R. (2013):

Bullying und Gewalt unter österreichischen Schülerinnen und Schülern: Ergebnisse 2010 und Trends. HBSC Factsheet. Wien: BMG.


Ramelow, D., Felder-Puig, R. (2012):

Konsum von Tabak, Alkohol und Cannabis bei österreichischen Schülerinnen und Schülern: Ergebnisse 2010 und Trends. Wien: HBSC Factsheet. Wien: BMG.


Hofmann, F., Felder-Puig, R. (2012):

Das Ernährungsverhalten österreichischer Schülerinnen und Schüler: Ergebnisse 2010 und Trends. HBSC Factsheet. Wien: BMG.


Ramelow, D., Felder-Puig, R. (2012):

Alters- und Geschlechtsunterschiede in der subjektiven Gesundheit und dem Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern: Ergebnisse 2010 und Trends. HBSC Factsheet. Wien: BMG.


Currie, C. et al. (2012):

Social determinants of health and well-being among young people. Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) study: international report from the 2009/2010 survey Copenhagen: WHO Regional Office for Europe.


Felder-Puig, R., Griebler, R., Samdal, O., Freeman, J., King, M., Dür, W. (2012):

Does the school performance variable used in the international Health-Behavior in School-aged Children (HBSC) study reflect students' school grades? Journal of School Health, 82 (9), 404-409.

Abstract | Full Text


Dür, W., Griebler, R., Flaschberger, E., Felder-Puig, R. (2011):

Gesundheitliche Beschwerden österreichischer Jugendlicher – Ergebnisse der HBSC-Studie 1994 bis 2006. Wiener Medizinische Wochenschrift, 161 (7-8), 174-179.

Abstract | Full Text


Ramelow, D., Griebler, R., Hofmann, F., Unterweger, K., Mager, U., Felder-Puig, R., Dür, W. (2011):

Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern: Ergebnisse des WHO-HBSC-Survey 2010. Wien: Bundesministerium für Gesundheit.

Diesen Bericht, sowie diverse HBSC-Factsheets finden Sie unter folgendem Link zum Download: http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Praevention/Schulgesundheit/WHO_Studie_Health_Behaviour_in_School_aged_Children_

Weitere Publikationen zur HBSC-Studie, auch aus den Vorjahren finden Sie unter dem Menüpunkt "Publikationen suchen"

Projektteam


Rosemarie Felder-Puig (nationale Studienleiterin), Daniela Ramelow, Felix Hofmann, Friedrich Teutsch, Wolfgang Dür (Mitglied des International Coordinating Committee)