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Österreichische MigrantInnen Gesundheitskompetenz Studie („GKM“)


Background


Health Literacy / Gesundheitskompetenz (GK) ist ein Konzept das international immer stärker an Bedeutung gewinnt. In Forschung, Praxis und Politik in den Bereichen Public Health und Gesundheitsförderung wird die Gesundheitskompetenz immer mehr als eine ungleich verteilte, aber beeinflussbare soziale Determinante von Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Inanspruchnahme von Krankenbehandlung verstanden (Kickbusch et al. 2013). Die Stärkung der GK wurde vor allem in den österreichischen Rahmen-Gesundheitszielen als ein prioritäres, bundesweites Ziel (Ziel 3 – „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“)- definiert und vom Staatssekretariats für Integration als bedeutendes Problem- und Betätigungsfeld für zukünftige Integrationsanstrengungen anerkannt. Auf der europäischen Ebene fand GK Aufnahme in wichtige gesundheitspolitische Dokumente, wie dem White Paper „Together for Health“ der Europäischen Kommission (2007) oder dem Rahmenprogramm der WHO Europa „Health 2020“ (2012).Über die Gesundheitskompetenz von in Österreich lebenden MigrantInnen (oder Personen mit Migrationshintergrund) gibt es derzeit aber nur wenige Daten. Zwei der am LBIHPR bereits durchgeführten Gesundheitskompetenz Studien, die HLS-EU Studie (Pelikan et al. 2012) und die österreichische Zusatzerhebung (Pelikan et al. 2013)folgten den methodischen Vorgaben des Eurobarometers und erfassten daher nur EU-BürgerInnen. Somit wurden wichtige und große MigrantInnengruppen in Österreich etwa aus Ex-Jugoslawien und der Türkei, nicht ausreichend berücksichtigt. Von den befragten EU-BürgerInnen in Österreich hatten 6,6% der insgesamt 1810 befragten Personen Migrationserfahrung oder einen Migrationshintergrund. Selbst diese EU MigrantInnen der 1. und 2. Generation in Österreich hatten eine signifikant niedrigere Gesundheitskompetenz als Personen ohne Migrationshintergrund oder –erfahrung.

Auch die Daten aus der österreichischen Gesundheitskompetenz Jugendstudie, die im Auftrag des Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger vom LBIHPR durch geführt wurde (Röthlin, et al. 2012) eignen sich aufgrund der geringen MigrantInnen-Stichprobe nur begrenzt für fundierte Aussagen über die Gesundheitskompetenz von migrantischen Jugendlichen.

Die Bildungs-, Armuts- und Gesundheitsdaten der offiziellen österreichischen Statistik, der PISA und der PIAAC Studien, sowie Expertenaussagen machen aber deutlich, dass auch in Österreich MigrantInnengruppen in verschiedensten Bereichen benachteiligt sind und als vulnerabel angesehen werden müssen. Noch nicht ausreichend bekannt ist jedoch, inwiefern dies auch für die Gesundheitskompetenz im Speziellen gilt und wenn ja, in welchen spezifischen Bereichen. Diese für die Gesundheitspolitik wichtigen Fragen sollen durch die Österreichische Gesundheitskompetenz MigrantInnenstudie, zumindest für ausgewählte wichtige MigrantInnengruppen auch durch eine Survey-Erhebung mit einem der HLS-EU Studie vergleichbaren Instrument, beantwortet werden.

Theoretical Famework


(Spät-)Moderne Gesellschaften sind als „Multioptionsgesellschaft“ (Gross, 1994) von individuellen Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten geprägt, die zu vielfältigen Entscheidungsfreiheiten, aber auch Notwendigkeiten führen. Gleichzeitig haben in modernen „Gesundheitsgesellschaften“ (Kickbusch, 2006) fast alle Entscheidungen auch gesundheitliche Auswirkungen. Dadurch steigen und verändern sich auch die sozialen Anforderungen an die persönlichen Fähigkeiten von Individuen zum erfolgreichen Lebens- und Gesundheitsmanagement ständig. Deshalb gilt GK als wichtige, spezifische, soziale Determinante der persönlichen Gesundheit, die auch Ungleichheiten im Gesundheitsstatus erklären kann.

Auf Basis eines systematischen Reviews der internationalen Literatur zu Definitionen und Modellen wurde im Projekt des Health Literacy Survey-Europe (HLS-EU) umfassende GK wie folgt definiert: „Gesundheitskompetenz basiert auf allgemeiner Literacy und umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Domänen der Krankheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern.“ (Sorensen et al., 2012)

Dieser Definition folgt auch das GKM-Projekt.

Objectives


Das Ziel der GKM Studie ist es, qualitative und quantitative GK-Daten für MigrantInnen aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien, die in Österreich leben, zu erheben und miteinander und mit der allgemeinen österreichischen Wohnbevölkerung zu vergleichen. Es sollen eine Diagnose der aktuellen Situation und mögliche Interventionen zu deren Verbesserung (auf der Basis der internationalen Literatur) für EntscheidungsträgerInnen und Akteure im Gesundheitsbereich und der Gesundheitspolitik in Österreich erarbeitet werden.

Methodologies


Die MigrantInnen Studie setzt sich aus vier separaten Teilstudien zusammen:

  1. Eine Literaturstudie mit dem Ziel aus der internationalen und nationalen Literatur Erklärungselemente für gesundheitliche Ungleichheiten und unterschiedliche Gesundheitskompetenzverteilungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu extrahieren.
  2. Eine ExpertInnen Befragung in Österreich, wobei etwa 20 ExpertInnen aus allen österreichischen Bundesländern befragt werden.
  3. Fokusgruppen mit Migrantinnen, wobei 6 Fokusgruppen geplant sind, die Muttersprachlich geleitet werden.
  4. Eine Survey- Erhebung, die aus repräsentativen Stichproben von mindestens je 300 türkischen und ex-jugoslawischen MigrantInnen der 1. oder 2. Generation besteht. Für diese Erhebung wird zur Messung der GK das, bereits in anderen Studien eingesetzte, HLS-EU-Q-Instrument (bestehend aus 47 Items) (HLS-EU Consortium, 2012), nach Maßgabe der Literaturstudie und der qualitativen Ergebnisse ergänzt, an die Studienpopulation angepasst und übersetzt. Die Erhebung erfolgt durch ein erfahrenes Meinungsforschungsinstitut.

Ethical Issues


Das LBIHPR hält sich bei der Sammlung und Bearbeitung von empirischen Daten an die österreichischen Datenschutzrichtlinien. Daten werden nur nach ausdrücklicher Zustimmung gesammelt und nicht an dritte weiter geleitet. Personalisierbare Daten werden nicht veröffentlicht.

Status / Timeline


Laufendes Projekt

Results


Erwartet werden können:

  1. GK-Daten zweier wichtiger vulnerabler MigrantInnen Gruppen auf Basis des umfassenden Instruments der HLS-EU Studie, das die Domänen Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung beinhaltet.
  2. Ein Vergleich der GK der beiden MigrantInnen Gruppen mit der GK der allgemeinen österreichischen Wohnbevölkerung aus der HLS-EU (HLS-EU Consortium, 2012) bzw. der erweiterten Österreich-Studie (Pelikan, et al. 2013).
  3. Empfehlungen für mögliche Interventionen zur Verbesserung der GK dieser beiden MigrantInnen Gruppen in Österreich.

Geplante Produkte / Publikationen


  1. Literaturarbeitsbericht und Journalartikel
  2. Leitfaden für Experteninterviews
  3. Design für Fokusgruppen
  4. Zwischenbericht der qualitativen Teilstudien
  5. Adaptiertes GK Erhebungsinstrument für MigrantInnen auf der Basis des HLS-EU-Q
  6. Forschungsbericht (qualitativer und quantitativer Teil)
  7. Journal Artikel mit empirischen Ergebnissen
  8. Geplant ist auch die Durchführung eines Dissertationsprojekts auf Basis der erhobenen Daten

Projektteam / Kooperationspartner


Projekt Team: Prof. Dr. Jürgen M. Pelikan (Leitung), Mag.a Julia Dahlvik MA (Koordination), Faime Alpagu BA, Mag. Florian Röthlin, Kristin Ganahl BA

Auftraggeber: Fonds Gesundes Österreich (FGÖ), Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVSV), Merck Sharp & Dohme Ges. m. b. H. Österreich (MSD)