Settings Comparative Study


Settings Comparative Study zur Implementation von Gesundheitsförderungsprogrammen in Schulen, Krankenhäusern und Langzeitbetreuungseinrichtungen

Background


Diese Programmlinie vergleicht Schulen, Krankenhäuser und Langzeitbetreuungseinrichtungen als zentrale Settings der Gesundheitsförderung aus einer organisationssoziologischen Perspektive. Kennzeichnend für die drei Settings ist, dass die Kernarbeit von Professionellen in Interaktion mit Laien erbracht wird (vgl. Drepper & Tacke, 2012; Iseringhausen & Staender, 2012; Oevermann, 1996): LehrerInnen interagieren mit SchülerInnen, Ärzte/Ärztinnen mit PatientInnen und das Pflegepersonal mit den HeimbewohnerInnen. Um diesen Kernprozess zu verdeutlichen eignet sich die Metapher der „professional-people-processing (ppp) organization“ (vgl. Hasenfeld, 1983; Mintzberg, 1992). Diese Metapher macht auch die eingeschränkte Rolle des Managements deutlich, um in die Interaktionen zwischen Professionellen und Laien einzugreifen und diese zu steuern.

Theoretical Approach


Viele Gesundheitsförderungsprogramme werden, in Anlehnung an den Settings Approach (Ottawa Charter for Health Promotion, 1986), in Organisationen, wie Schulen, Krankenhäusern, oder Langzeitbetreuungseinrichtungen, implementiert. Doch was haben diese drei Settings gemeinsam und was ist das besondere an diesen Organisationen? Aus unserer Sicht gilt es bei der Implementation von Gesundheitsförderungsmaßnahmen das Verhältnis zwischen der Managementebene und dem operativen Kernprozess zu berücksichtigen. Genau diesem, in ppp-Organisationen besonders heiklen, Verhältnis wurde in der Gesundheitsförderung bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die mangelnde Berücksichtigung könnte ein Grund dafür sein, dass ein großer Prozentsatz der Gesundheitsförderungsprogramme in Organisationen die ursprünglich formulierten Ziele nicht erreicht (Durlak & DuPre, 2008; Wandersman et al., 2008; Fixsen et al., 2005). Wir nehmen an, dass die Komplexität solcher Organisationen unterschätzt wird, insbesondere die Autonomie der in diesen Organisationen tätigen Professionellen und deren personenbezogenen Dienstleistungen (people-processing, vgl. Hasenfeld, 1983). Das Ziel unserer Studie ist es darum

  1. die ppp-spezifischen Faktoren in den drei Settings zu identifizieren,
  2. herauszuarbeiten, wie diese auf die Implementation von Gesundheitsförderungsprogrammen einwirken und
  3. die Effektivität von Gesundheitsförderung beeinflussen.

Durch diese thematischen Schwerpunktsetzungen sollen aktuell diskutierte implementationswissenschaftliche Ansätze im Gesundheitssystem (z.B. Damschroder et al., 2009; Greenhalgh et al., 2012; MacCormack et al., 2013; Squires et al., 2011; Weiner, 2009) um den bislang vernachlässigten Faktor „ppp-Organisation“ erweitert und dadurch für die konkrete Umsetzung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen handhabbarer gemacht werden.

Objectives


  • Herausarbeitung der Vergleichbarkeit organisationaler Strukturen von Schulen, Krankenhäusern und Langzeitbetreuungseinrichtungen.
  • Analyse der förderlichen und hinderlichen Faktoren bei der Implementation von Gesundheitsförderungsmaßnahmen in den drei ppp Organisationen
  • Vergleich der förderlichen und hinderlichen Faktoren bei der Implementation von Gesundheitsförderungsmaßnahmen in den drei ppp Organisationen

Methodologies - Research Design


Entsprechend der die Settings vergleichenden Heuristik des Projekts wird pro Setting (Schulen, Krankenhäuser, Langzeitbetreuungseinrichtungen) die Umsetzung jeweils einer Gesundheitsförderungsintervention in drei Organisationen untersucht. Es ergibt sich somit ein Analyseschema aus drei Settings, drei setting-spezifischen Interventionen und neun Organisationen. Dabei kommen folgende Methoden zur Anwendung:

  • Qualitative Dokumentenanalyse zum Zwecke a) der detaillierten Rekonstruktion der jeweiligen Intervention (bei der Ausarbeitung beteiligte Akteure, historische Hintergründe der Intervention, Ziele, Zeitpläne, formale Vorgaben bei der Umsetzung) und b) der Darstellung der formalen Strukturen der die Intervention umsetzenden Organisationen.
  • Kontrollierte nicht-teilnehmende Beobachtungen, d.h. kontrollierte und protokollierte Begehungen vor Ort unter besonderer Berücksichtigung der konkreten Umsetzung der Interventionen sowie der Klassifikation der jeweiligen Standorte. Zweck dieser Methode ist eine qualitative Organisationsanalyse der neun untersuchten Organisationen, wobei der Fokus in der Herausarbeitung von setting-übergreifenden und setting-spezifischen Organisationsmerkmalen besteht.
  • Qualitative, leitfadengesetützte Interviews mit Organisationsmitgliedern vor Ort. Diese Methode bildet den empirischen Kern der „settings comparative study“ und dient der Analyse der Einstellungen vor Ort tätiger Professioneller zur Struktur und Umsetzung der jeweiligen Gesundheitsförderungsmaßnahmen. Im Fokus stehen dabei folgende Fragen: wie kam die jeweilige Maßnahme in die Organisation, wie wurde sie implementiert und wie wurde sie von den Professionellen akzeptiert und real umgesetzt.

Ethical Issues


Im Einklang mit dem Österr. Datenschutzgesetz;

Status / Timeline


laufendes Projekt

Projektteam


Leitung: Priv.Doz. Dr. Wolfgang Dür

Ko-Leitung: Rahel Kahlert, Ph.D.

Wissenschaftliche Mitarbeit: Enrica Denk, bakk.; Dr. Benjamin Marent; Gunter Maier, bakk.; Dr. Fran Osrecki; Christina C. Wieczorek MSc; Hermann Schmied, MPH (Projektkoordinator)